Gegen Stress mit dem dänischen Wort "Pyt"

Gemäss dem aktuellen „World Happiness” Report gehören die Dänen zu den glücklichsten Menschen auf der Welt. Könnte das mit ihrer Sprache zu tun haben? Wir wollen dies weiter erkunden.


30. Juli 2019

Jedes Jahr erscheint der World Happiness Report, welcher 156 Länder nach der Lebenszufriedenheit ihrer Bürger sowie 117 Länder nach der Lebenszufriedenheit ihrer Immigranten bewertet. Aktuell ist Finnland auf dem ersten Platz, gefolgt vom Rest der üblichen Top 10 der letzten zwei Jahre, zu denen unter anderem auch Dänemark, Schweiz und Norwegen gehören. Alle diese Länder haben in der Regel ähnliche Merkmale, die ein glückliches Leben begünstigen: stabile Einkommen, hohe Lebenserwartung, soziale Unterstützung, Unabhängigkeit, Vertrauen und Grosszügigkeit. Aber eine Sache ist anders: das dänische Wort „Pyt”, welches kürzlich von den Dänen selbst zum beliebtesten Wort gewählt wurde. 

„Pyt” hat keine exakte Übersetzung. Es ist repräsentiert eher ein kulturelles Verständnis, wie man druch einer positiven Lebenseinstellung mit Stress umgeht. Es erinnert an den bekannten Swahili Leitspruch „hakuna matata" (wörtlich „keine Sorgen"). So kann das Wort „Pyt” auch als als Interjektion im Alltagsstress, bei Frustrationen und Missgeschicken genutzt werden. Hast Du die Milch verschüttet? „Pyt”! Hast Du vergessen ein Zugticket zu kaufen und siehst nun den Kontrolleur auf Dich zukommen? „Pyt”! Autopanne mitten auf der Autobahn? „Pyt”!   

„Pyt” kann auch als Reaktion auf etwas verwendet werden, was man selber getan hat: „Pyt, warum habe ich das gemacht?” oder um jemanden zu trösten: „Pyt mit dem, der hat dich eh nicht verdient”. Im Wesentlichen versteht man das Wort „Pyt” als Fähigkeit zur Akzeptanz und zum Neuanfang. Es soll also helfen, sich aus der Situation zurückzuziehen, sich neu zu orientieren und sich nicht in einem Problem zu verbeissen. Du kannst also wie Königin Elsa sein und es einfach lassen. Dieses simple Wort ist so vielseitig einsetzbar, dass es nachweislich Stress reduziert und es Hinweise gibt, dass es die Zufriedenheit am Arbeitsplatz erhöht. 

Eine Vielzahl von Studien haben gezeigt, dass wir in der Lage sind länger und glücklicher zu leben, wenn wir uns keine Sorgen um kleine Hürden im Lebens machen. Es kommt darauf an, wie wir mit dem Verhalten unserer Mitmenschen umgehen. Sagen wir zum Beispiel, jemand erscheint zu spät zu einer Sitzung. Jetzt können wir uns entweder darüber aufregen oder wir sagen zu uns „Pyt!". Wenn wir verstehen, dass wir das Verhalten anderer nicht kontrollieren können, lassen wir uns davon auch nicht ablenken. Aber man kann diese Einstellung nicht auf alles im Leben anwenden. Die Idee ist nicht Verantwortung zu meiden und faul zu werden, sondern gelassen die kleinen Herausforderungen des Alltags zu meistern, keinen nutzlosen Groll mit sich herumzuschleppen und sich stattdessen, um die wichtigen Dinge im Leben zu kümmern.

Auch dänische Lehrer nutzen „Pyt", um Kindern zu helfen, mit kleineren Frustrationen umzugehen, sei es ein liegengelassenes Aufgabenheft oder eine enttäuschende Note. Von Beginn an wird einem mitgegeben, dass nicht alles im Leben perfekt ist. Es hilft aber auch ungesunden Perfektionismus entgegenzusteuern, welcher mit Angststörungen und Depression in Verbindung gebracht wird.

Also das nächste Mal, wenn Ihnen eine kleine Unannehmlichkeit in den Weg geworfen wird, denken Sie „Pyt!" und lassen Sie es auf sich beruhen. Wenn es den Dänen hilft ruhig und gelassen zu bleiben, wieso dann nicht auch Dir?

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