Zahnarzt bei Tag, Entdecker bei Nacht

Im ersten Teil dieser dreiteiligen Serie, stellten wir Ihnen Geza Scholtz vor, einer unserer Alumni und Zahnarzt von Beruf. Es gibt jedoch noch viel mehr über ihn zu berichten.


11. Juli 2019

Im Januar 2013 schrieben zwei Brüder und Alumni des Institut Montana Zugerberg Geschichte. Geza und Andre Scholtz navigierten als erste Menschen die 560 km lange Magellanstrasse vom Pazifik bis zum Atlantik mit Kiteboards. Sie stellten dabei nicht nur einen Weltrekord auf, sondern entwickelten diese Sportart weiter – zu Expeditions-Kiteboarden.  
 
Wie kommt man genau auf so eine Idee? Gehen wir schön der Reihe nach. 
 
In den 70er Jahren begab sich der Vater von Geza und Andre dauernd auf irgendeine verrückte Reise. Er unternahm zum Beispiel eine Bootsreise in Afrika, bei der sein Kameramann erschossen wurde. Damals war Afrika noch ein grösstenteils unerforschter Kontinent, welcher selten bereist wurde. Schon ab dem zarten Alter von fünf Jahren, begleiteten Geza und sein Bruder ihren Vater auf Reisen in ferne Länder wie Indien, Marokko und weitere abgelegene Destinationen ohne Reiseführer oder Reisegruppe. So wurde in ihnen der Entdeckergeist für unbekannte Gebiete geweckt.  
 
Kitesurfen übte von jeher eine Faszination auf Geza aus. Er pflegte sich an den Strand zu setzen und den Leuten dabei zuzusehen, was damals als Extremsport galt, da dieser Sport noch sehr unterentwickelt war und nur aus einer einfachen Ausrüstung bestand. Vor fast 20 Jahren stieg Geza in Tarifa, Südspanien dann auf sein erstes Kiteboard und verliebte sich vollends in diese Sportart.  
 
Nie hätte er sich träumen lassen, dass er jemals etwas so Ausgefallenes wie sein Vater unternehmen würde, aber als er eines Tages während eines Auszeitjahres nach Universitätsabschluss auf seinem Sofa sass, hatte er diese verrückte Idee, von Amerika nach Russland zu Kitesurfen. Mit dieser Idee veränderte sich sein Leben für immer. Obwohl die Strecke an sich einfach genug klang, 100 km entlang der Beringstrasse, hatte bisher niemand diese Überquerung in Angriff genommen. So startete er 2010 zusammen mit seinem Bruder den ersten Versuch. Nur mit einem Gummiboot im Schlepptau und ohne spezifische Vorbereitung, konnten sie die Herausforderung nicht meistern. Sie müssen sich vorstellen, dass die Brüder nicht wussten, auf was sie sich wirklich einliessen und wie man sich darauf vorbereitet. Sie benötigten zusätzliche finanzielle Mittel, hauptsächlich zur Verbesserung der eigenen Sicherheit, sie befanden sich in einem sehr abgelegenen Teil der Welt und auf der Beringstrasse selber herrscht äusserst raues, unberechenbares Klima.  
 
2011 waren sie bereit, es erneut zu versuchen. Dieses Mal hatten sie sich entsprechend vorbereitet. Sie fanden in Portugal einen Sponsor für Boote und importierten zwei Sicherheitsboote nach Alaska. Ihre ursprüngliche Gruppe von 11 Personen stieg schnell auf circa 50 Personen an, bestehend aus Sponsoren, Spediteuren, Kiteherstellern, freiwilligen Helfern etc. Es entwickelte sich beinahe zu einem eigenständigen internationalen Unternehmen, welches von Geza und Andre die Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren und Vertriebskanälen in unterschiedlichen Zeitzonen erforderte. Drei Monate vor dem geplanten Expeditionsstart fehlte noch 1/3 des benötigten Geldes, was zwar nach wenig tönt, jedoch bei einem Budget von USD 220’000, eine ansehnliche Summe von USD 60’000 ausmacht. Sie fanden trotzdem rechtzeitig eine Lösung und erhielten sogar eine Bewilligung zur Betretung der russischen Militärzone, von wo aus sie ablegen würden.  
 
Trotz all diesen Vorbereitungen blieben sie einmal mehr erfolglos. Dies lässt sich am Beispiel von Bergsteigern erklären, die den Mt. Everest besteigen wollen. Sie sind zwar bestens vorbereitet und ausgerüstet, aber wenn der Mt. Everest nicht mitspielt und sie lediglich ein zweiwöchiges Zeitfenster zur Verfügung haben, kann es nicht klappen. Das gleiche Schicksal ereilte die Brüder, denn die Strömungen, der Wind, das Wetter, die Wellen und viele weitere Faktoren passten nicht zusammen, die Mutter Natur konnte nicht bezwungen werden.  
 
Seitdem gab es dafür andere Siege. 2013 beschlossen Geza und sein Bruder von Chile aus die Magellanstrasse vom Pazifik bis zum Atlantik auf ihren Kiteboards zu überqueren. Bislang hatte sich niemand an diese Strecke gewagt, denn wie die Beringstrasse, ist die Magellanstrasse bekannt für extremen Wind, eisige Temperaturen und schlechte Sicht, ganz zu schweigen von unvorhersehbaren Wetterbedingungen. Die Meerenge wurde nach dem portugiesischen Seefahrer Ferdinand Magellan benannt, der im Jahr 1520 auf der allerersten Weltumsegelung durch diese Meerenge navigierte. Geza und Andre durften im Januar 2013 als erste Menschen, welche die 560 km lange Magellanstrasse mit Kiteboards bewältigten, dasselbe für sich beanspruchen. Dies löste natürlich ein herrliches Erfolgsgefühl bei den Brüdern aus. Geza wird den Moment nie vergessen, als er nach 12 Tagen mit seinem Kiteboard in wilder Natur, die mentale Ziellinie vor sich sah. Noch besonderer machte es das Ganze, dies zusammen mit seinem Bruder erleben zu dürfen.  
 
Sie surften mit den Kiteboards auch noch von Sri Lanka nach Indien, eine 50 km Strecke, welche dank des wärmeren Klimas einfacher zu bewältigen war als vorherige Expeditionen. Im Gegensatz zu Russland, stellte es sich jedoch trotz aller Bemühungen als unmöglich heraus, ein Visum für Indien zu erhalten und sie wurden demnach kurz nach erfolgreicher Surfexpedition des Landes verwiesen.  
 
Im Jahr 2016 schliesslich, nahm Geza in einem Bus ein Magazin zur Hand und las einen Artikel über die Arktis. Daraus entwickelte sich eine, wie er fand, geniale Idee, Videoaufnahmen zu Kitesurfen in der Arktis, inmitten dieser unglaublichen Landschaft, zu drehen und Fotos zu produzieren, wie es sie bis jetzt noch nicht gab. 200 km nördlich vom nördlichen Polarkreis ist die Wassertemperatur -0.7 Grad und gefriert durch den hohen Salzgehalt nicht. Nach einem Monat Aufenthalt in Grönland, war es ihnen nur möglich, während drei Tagen zu surfen, jedoch hatten sie Glück und erlebten einen sonnigen, sehr windigen Tag, welcher das benötigte Filmmaterial für die Dokumentation lieferte. Diese Dokumentation war ein Gewinner an den “Corporate Film and TV Awards” am Filmfestival von Cannes 2016. Somit erübrigt sich die Frage, ob der Aufwand sich gelohnt hat.  
 
Und wie steht es um das Projekt Beringstrasse? Andre und Geza werden dieses im August 2019 erneut in Angriff nehmen. Wie sagt man so schön? Aller guten Dinge sind drei.  

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